Es ist sehr gut denkbar

Franz Kafka, Tagebucheintrag vom 18. Oktober 1921:

Ewige Kinderzeit. Wieder ein Ruf des Lebens.

Es ist sehr gut denkbar, daß die Herrlichkeit des Lebens um jeden und
immer in ihrer ganzen Fülle bereitliegt, aber verhängt, in der Tiefe,
unsichtbar, sehr weit. Aber sie liegt dort, nicht feindselig, nicht widerwillig,
nicht taub. Ruft man sie mit dem richtigen Wort, beim richtigen Namen,
dann kommt sie. Das ist das Wesen der Zauberei, die nicht schafft, sondern ruft.

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Gefährtin

Erich Mühsam, Mai 1915

Stille Glut nach wilden Bränden.
Stetig du nach hundert Frauen.
Laß mich deinen guten Händen
meine Tage anvertrauen.
Will von Kämpfen und von Plagen
unter deiner Pflege rasten,
und ich will getreulich tragen
auch die Hälfte deiner Lasten.
Hunderttausend sterben, leiden;
Menschen töten und vernichten. –
Pflicht und Liebe helf uns beiden,
Glück und Frieden aufzurichten.

 

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